KONSUMENT.AT - Coronavirus: Fakten statt Fakes - Knoblauch, MMS, Salzspülungen, Selbsttests, Vitamin C

Coronavirus: Fakten statt Fakes

Dichtung und Wahrheit

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KONSUMENT 5/2020 veröffentlicht: 19.03.2020, aktualisiert: 25.06.2020

Inhalt

Knoblauch
Abenteuerlich ist auch die verbreitete Meinung, Knoblauch könne etwas gegen SARS-CoV-2 ausrichten. Weder kann Knoblauch vor Ansteckung schützen noch hat er einen Effekt bei der Behandlung.

MMS (Miracle Mineral Supplement)
Auf einzelnen Internetseiten wird das Gerücht verbreitet, MMS heile schwere Krankheiten und helfe auch bei einer Infektion mit dem Coronavirus. Hauptbestandteil des „Miracle Mineral Supplement“ ist die chemische Verbindung Natriumchlorit (NaClO2). Das klingt zwar ähnlich wie die chemische Bezeichnung für Kochsalz, Natriumchlorid (NaCl), doch Natriumchlorit ist wesentlich gefährlicher. Denn einschlägige Internetseiten oder Bücher empfehlen, die Substanz durch Zugabe einer Säure wie Essig oder Zitronensäure zu „aktivieren“.

Dabei entsteht das ätzende und giftige Gas Chlordioxid. Chlordioxid wird unter anderem zum Bleichen von Papier und Stoffen verwendet. Natriumchlorit wird auch als Desinfektionsmittel eingesetzt. Unsere Kooperationspartner von medizin-transparent.at haben keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass MMS Krankheiten heilen oder Beschwerden lindern kann. Im Gegenteil: Die Einnahme ist gesundheitsschädlich.

Salzspülungen für die Nase
In manchen „Empfehlungen“ ist zu lesen, Salzspülungen für die Nase würden eine Ansteckung mit SARS-CoV-2 verhindern. Das ist Blödsinn. Derartige Spülungen sind geeignet, um bei Schnupfen bzw. einer Nebenhöhlenentzündung die Nasenschleimhaut zu befeuchten und das Nasensekret zu verflüssigen. Dadurch fließt der Schleim leichter ab. Dafür sollte im Übrigen keinesfalls Haushaltssalz verwendet werden, sondern ein steril zubereitetes medizinisches Salzpräparat. Auf eine Lungenkrankheit wie COVID-19 haben derartige Mittel keinen Einfluss.

Irreführender Hinweis
Auf älteren Desinfektionsflaschen kann der Hinweis zu lesen sein, der Inhalt helfe auch gegen Coronaviren. Dabei handelt es sich allerdings nicht um das aktuelle SARS-CoV-2 Virus. Coronaviren sind bereits seit den 1960er-Jahren bekannt. SARS-CoV-2 wurde jedoch erst 2019 entdeckt. Im Übrigen sollte man nicht auf die Idee kommen, Desinfektionsmittel einzunehmen. Sie sind dafür nicht geeignet und schädlich. Zudem können sie keine Viren töten, die bereits über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper gelangt sind.

Selbsttests
Glauben Sie es nicht, wenn Sie irgendwo lesen, man könne eine COVID-19-Erkrankung durch irgendwelche Selbsttests ausschließen. Solche Tests gibt es nicht. Auch ist die Symptomatik von COVID-19 viel zu kompliziert, als dass medizinische Laien in der Lage wären, diese von einer Grippe zu unterscheiden. Auch wenn keine Symptome vorliegen, kann eine Infektion nicht ausgeschlossen werden. Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt ein bis zwei Wochen.

Vitamin C
Der Mythos rund um Vitamin C ist einfach nicht totzukriegen und wurde mit SARS-CoV-2 erneut um eine Facette angereichert. Sicher ist nur eines: Entgegen von Behauptungen im Netz gibt es keine Belege dafür, dass Vitamin C gegen COVID-19 irgendetwas auszurichten vermag. Übrigens genauso wenig wie gegen Erkältungen.

Wärme
Ebenfalls ins Reich der Märchen gehört die Behauptung, das Coronavirus würde bei Temperaturen über 27 Grad Celsius absterben. Der Krankheitserreger fühlt sich bei einer Körpertemperatur von zirka 37 Grad Celsius sichtlich wohl. Das zeigen die Infektionszahlen. Empfehlungen, zur Vorbeugung Heißgetränke zu konsumieren, ein heißes Bad zu nehmen oder in warme Gegenden zu reisen, sind nutzlos.

Wasser trinken
Die Empfehlung, alle paar Minuten Wasser zu trinken, ist selbst bei einer Viruserkrankung zu viel des Guten. Sie schützt nicht vor einer Infektion. Menschen, die an einer Viruserkrankung leiden – egal ob es sich um einen grippalen Infekt, eine Influenza (Grippe) oder COVID-19 handelt – sollten besonders darauf achten, ausreichend zu trinken.

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Kommentare

  • @Dunkelsteinerwald
    von Mnemosyne am 03.05.2020 um 11:08
    Das Argument "wer heilt, hat recht" hier anzuwenden, ist ebenso gefährlich. Man kann selbst in einer solchen Krisensituation den Placebo-Effekt nicht über medizinische Erkenntnisse erheben.

    Selbst der Verschwörungstheoretiker Alex Jones bietet völlig wirkungslose "Anti-Corona" Präparate an. Jemand, der sich ein solches überteuertes Präparat kauft und vielleicht durch den reinen Glauben an eine Heilung seinen Stress auf diese Weise abbaut, verursacht indirekt trotzdem einen Kollateralschaden. Nämlich indem er oder sie zwilichtige Hersteller und Nutznießer aus der Krise finanziell unterstützt. In der Folge werden die Präparate weiterempfohlen, noch mehr eingekauft und werden völlig zu unrecht einer breiten Öffentlichkeit angeboten.

    Medizinisch wirksame Präparate sind in der Herstellung mit hohen Kosten, teuren Prüfungen und Studien verbunden. Durch die wissenschaftliche Methode ist ihre Wirkung allerding geprüft und nachweisbar. Für nachweislich wirkungslose Präparate, die sich den Mantel der Medizin nur zur Täuschung anlegen – beispielsweise indem sie behaupten, nach den selben Hygienestandards und Vorschriften für Medizinprodukte hergestellt zu werden – verlassen sich einzig und allein auf den Placebo-Effekt und machen typischerweise den Patienten (!) verantwortlich, wenn keine Besserung eintritt.

    Den Verkauf solcher Produkte kann man durchaus als tief unmoralisch sehen.

    Was psychologisch hilft, das wurde in den vergangenen Wochen bereits mehrfach empfohlen: Setzen Sie sich nicht stundenlang täglich mit der Gefahr durch den Virus auseinander. Genießen Sie die Natur. Halten Sie sich an die Empfehlungen für die erhöhten Hygienemaßnahmen. Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Ihren Verwandten.

    Wer sich an alle Ratschläge hält, wird bald das gewünschte Sicherheitsgefühl selbst erleben.

    Hingegen ist es ebenso schädlich und irreführend, wenn man nach Empfehlung irgendwelcher Scharlatane überteuerte Zuckerkügelchen kauft oder mit allerhand Fingerakrobatik die "Meridiane" im Körper stimuliert, sich danach in falsche Sicherheit wiegt und auf die tatsächlich wirkungsvollen Tipps vergisst.
  • Psychische Schädlichkeit völliger Ohnmachtsgefühle
    von Dunkelsteinerwald am 27.03.2020 um 20:12
    Die schädlichen Auswirkungen des Virus der damit entstehenden Begleitumstände ist äußerst komplex.

    Auf eine Problematik haben zahlreiche Psychiater und Psychotherapeuten hingewiesen : auf das Gefühl der völligen Ohnmacht. Das kann zu psychischen Schädigungen zu führen.

    Insoferne ist das Drehen der Gebetsmühle, dass gegen das Virus nichts hilft in sich selbst gesundheitsgefährdend.

    Auch wenn jemand glaubt, dass ihn ein Marienbildchen vor einer Ansteckug bzw. einem schweren Verlauf schützt, ist dies anzuerkennen und nicht lächerlich zu machen. Länger andauernde Angst und Ohnmachtsgefühle sind gesundheitsschädlich.

    Es ist gut und wichtig, auf die Notwendigkeit der Einhaltungen der Vorschriften hinzuweisen und vor dubiosen und teuren Mittelchen zu warnen.

    Die Ohnmachtsgefühle zu verstärken, ist genauso verantwortungslos. (Ich vermute, dass es in der Konsument-Redaktion niemanden gibt, der medizinisch/psychotherapeutisch ausgebildet ist, und deswegen solche Artikel "passieren".)
  • Homöopathie
    von Stephan Pesendorfer am 27.03.2020 um 14:31
    Liebe Redaktion,
    bitte könnten sie mir erklären, wie das funktionieren soll, die Wirksamkeit von Globuli bei welcher Krankheit auch immer zu belegen, wenn in den Globuli selbst gar keine Wirkstoffe nachweisbar sind. Das ist ja völliger Unsinn. Etwas was es gar nicht gibt (nämlich Wirkstoffe in Globuli), kann definitionsgemäß keine Wirkung erzeugen.
    Völlig unabhängig davon ist die Frage von Placebo-Effekten zu bewerten. Placebo-Effekte sind wissenschaftlich ganz gut belegt (zB: https://www.economist.com/science-and-technology/2011/05/19/think-yourself-better ). Aber noch einmal: der Placebo-Effekt ist unabhängig von der Einnahme von Globuli. Oft genügt schon eine verbale oder non-verbale Zuwendung um diesen Effekt zu erzeugen. Es gibt da ein altes Sprichwort: Das erste Heilmittel war das Wort. Beste Grüße Stephan Pesendorfer
  • Ausweichende Antwort
    von Dunkelsteinerwald am 24.03.2020 um 19:18
    Sie weichen meinen Beiträgen aus. Es gibt keine Studien, die belegen, dass Homöopathie, KLnoblauch oder Vitamin C beim Virus nicht hilfreich sind. Insoferne ist es wissenschaftlich unredlich, eine Unwirksamkeit zu behaupten, wie Sie es im Artikel tun.

    Den Hinweis auf einen möglichen Placeboeffekt (der übrigens auch in der Schulmeizin bei anderen Erkrnkungen bewusst angewendet wird !) ignorieren Sie völlig.

    ---

    Völlig richtig ist natürlich, dass man sich durch die Anwendung der erwähnten Möglichkeit nicht in falscher Sicherheit wiegen darf und sich selbstverständlich an die allgemeingültigen Vorsichtsregeln zu halten hat. (Dieses Argument unterschlagen Sie in diesem Artikel !)

    Wenn man sich an die diesbezüglichen Regelungen hält, ist gegen Homöopathie, Knoblauch oder Vitamin C nichts einzuwenden. Oder kennen Sie seriöse Studien, dass diese Mittel gesundheitlich schaden ?
  • Knoblauch hat keinen Effekt/Vitamin C/Homöopathie
    von REDAKTION am 24.03.2020 um 18:03
    Die in diesem Beitrag veröffentlichten Behauptungen kursieren im Netz und werden von teils obskuren Websites verbreitet, beispielsweise die Meldung, Homöopathie wäre im Kampf gegen eine COVID-19-Erkrankung hilfreich. Fakt ist, dass es keine Belege dafür gibt. Das wurde nie untersucht. Auch Studien zu anderen virusbedingten Erkrankungen, wie etwa Schnupfen, konnten eine Wirksamkeit von Homöopathie nicht belegen. Es gibt ebenfalls keine Studien, die eine Wirksamkeit von Knoblauch oder Vitamin C bei der Behandlung von COVID-19 zeigen. Redlich ist es, zu behaupten, dass eine Behandlungsmethode wirksam ist, wenn dies durch Studien belegt ist. Ein TV-Bericht ist leider keine seriöse Quelle. Es wäre gefährlich, wenn COVID-19-Patienten sich selbst mit Homöopathie, Knoblauch und Vitamin C behandeln, und glauben, sie wären gesund und könnten die Quarantäne verlassen.